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 Professor Dr. theol. Dr. phil. Harm Klueting, Priester der Erzdiözese Köln und Professor der Historischen Theologie (Mittlere und Neuere Kirchengeschichte) und der Neueren Geschichte

 

 

1. Entweltlichung: Zur Freiburger Rede Papst Benedikts XVI. vom 25. September 2011 

(Aus: Die Tagespost. Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur Nr. 153 vom 23. Dezember 2011, Forum "In der Welt - nicht von ihr", S. 30 - www.die-tagespost.de)

In der Tradition Augustins und Bonaventuras

Warum ist die Freiburger Rede Benedikts XVI. historisch?

Von Harm Klueting

Am Ende seines Deutschlandbesuches hat der Heilige Vater am 25. September 2011 in Freiburg im Breisgau eine Rede von historischem Rang gehalten. Wer diese Rede und ihren Kerngedanken – den Aufruf zur Entweltlichung der Kirche – verstehen will, der muss den heiligen Augustinus lesen, dessen Name einmal fällt. Benedikt XVI. ist dem spätantiken Kirchenlehrer, dem er vor bald sechzig Jahren seine Dissertation „Volk und Haus Gottes in Augustins Lehre von der Kirche“ widmete, stets treu geblieben. Auch im Freiburger Konzerthaus.

Was hat der Papst in Freiburg gesagt? Er hat kritisiert, dass „die Kirche sich in dieser Welt einrichtet, selbstgenügsam wird und sich den Maßstäben der Welt angleicht“. Dem stellt er die Sendung der Kirche entgegen, die „nichts Eigenständiges gegenüber dem“ habe, „der sie gestiftet hat“. Die Kirche finde „ihren Sinn ausschließlich darin, Werkzeug der Erlösung zu sein, die Welt mit dem Wort Gottes zu durchdringen und die Welt in die Einheit der Liebe mit Gott zu verwandeln“. Um diesen Auftrag zu erfüllen, müsse die Kirche „auf Distanz zu ihrer Umgebung gehen“ – „sie hat sich gewissermaßen zu ent-weltlichen“. Entweltlichung der Kirche heiße nicht Rückzug aus der Welt. Vielmehr könne eine entweltlichte Kirche gerade auch im sozial-karitativen Bereich aus der Kraft des christlichen Glaubens ganz anders tätig sein als eine an weltlichen Maßstäben der Organisation und Institution orientierte Kirche. Dazu führt der Papst seine Enzyklika „Deus caritas est“ an.

Benedikt XVI. gebraucht zweimal den Begriff Säkularisierung. Die Geschichte sei der Kirche mit der „Säkularisierung zur Hilfe gekommen“. Die „Säkularisierungen – sei es die Enteignung von Kirchengütern, sei es die Streichung von Privilegien oder ähnliches“ – hätten „Entweltlichung der Kirche“ bewirkt, „die sich ja dabei gleichsam ihres weltlichen Reichtums entblößte und wieder ganz ihre weltliche Armut annahm“.

Historiker, Soziologen und Philosophen meinen – wenn sie von Säkularisierung sprechen – zumeist Entsakralisierung, Entkirchlichung und das, was Max Weber 1905 „Entzauberung der Welt“ nannte. Säkularisierung in diesem Sinne ist Verweltlichung der Welt und das Gegenteil von Entweltlichung der Kirche. Der Begriff Säkularisierung kam im 19. Jahrhundert auf und verbreitete sich in der englischen Freidenkerbewegung als „secularism“ und mit der „Secular Society“ von 1846 als kulturpolitisches Programm der Emanzipation von Kirche und Religion. Doch hatte schon Hegel von „Verweltlichung“ gesprochen, was der evangelische Theologe Richard Rothe – die „Verweltlichung des Christentums“ propagierend – 1837 mit „Säkularisierung“ wiedergab. 

Die Sache ist älter. Der christliche Glaube selbst war gegenüber dem antiken, altorientalischen oder germanischen Pantheismus „Entgötterung der Welt durch Gott“ (C. F. v. Weizsäcker) und ein stückweit Säkularisierung. Das spätere Mittelalter kannte mit philosophischen Schulen, die den Gegensatz von Glauben und Vernunft betonten und Kirche und Staat unterschieden, ein säkularisierendes Denken. Das Menschenbild von Renaissance und Humanismus war Ausdruck einer anthropozentrischen – den Menschen statt Gott in den Mittelpunkt rückenden – Weltsicht, auch wenn heute das christliche Element in Renaissance und Humanismus deutlicher gesehen wird. Die Entstehung der modernen Naturwissenschaft und der „Prozess der theoretischen Neugierde“ (H. Blumenberg) brachten die Legitimation der „curiositas“ – der wissenschaftlichen Neugierde – und – trotz aller Physikotheologie – die Emanzipation der Naturerkenntnis von der Theologie. Der abendländische „Rationalisierungsprozess“ (M. Weber) war Hauptursache der Aufklärung des 18. Jahrhunderts. Wenn der Heilige Vater in der Freiburger Rede sagt, seit Jahrzehnten erlebe man „einen Rückgang der religiösen Praxis“, so spricht er damit eines der Ergebnisse dieses Säkularisierungsprozesses an.

Trotz dieses offenkundigen Befundes streiten Historiker, Soziologen und Philosophen darüber, ob es Säkularisierung überhaupt gibt. Es werden Zweifel an der Tragfähigkeit des Säkularisierungsbegriffs laut. Dahinter steht die Beobachtung, dass der Abwendung von der kirchlich institutionalisierten Religion durch „Wiederkehr der Religion“ durchkreuzt wird, und die Erfahrung, dass Entkirchlichung nicht Entchristlichung und Entchristlichung nicht Verlust jeder religiösen oder pseudoreligiösen Wertorientierung bedeuten muss. Doch wird von anderen darauf hingewiesen, dass der Zulauf zu neuen religiösen Bewegungen und Pseudoreligionen nur einen Bruchteil des Ausmaßes der Entkirchlichung erreiche. Diese halten am Säkularisierungsbegriff fest, auch wenn sie Säkularisierung weniger als Verlust von Religion, sondern als Umformung religiöser Gehalte und als „allmähliches, immer wieder auch bestrittenes Freiwerden von Denken und Handeln aus einem religiösen Deutungshorizont“ (M. Pohlig) verstehen. 

Das Kirchenrecht kennt seit dem 16. Jahrhundert den Begriff Säkularisation. Er steht für die dauernde Entlassung eines Ordenspriesters in die Weltgeistlichkeit, den Säkularklerus. Im „Codex Iuris Canonici“ von 1983 wird das lateinische „saecularizatio“ in diesem Sinn gebraucht. Als Begriff für die Enteignung von Kirchengut fiel das Wort „secularisatio“ 1646 auf dem Westfälischen Friedenskongress. Die Sache gab es lange vorher. Dabei ist zwischen Territorialsäkularisation – Annexion geistlicher Fürstentümer durch weltliche Staaten – und Klostersäkularisation – Aufhebung von Klöstern und Enteignung des Klostergutes – zu unterscheiden. 

Im 16. Jahrhundert wurden nicht nur im Zürich Zwinglis die Klöster aufgehoben, sondern auch in deutschen Fürstentümern, deren Landesherren die Reformation Luthers annahmen. Dabei fand das Klostergut oft Verwendung zur Besoldung evangelischer Pfarrer oder für Schulwesen, Universitätsdotierung und Einrichtungen der Armen- und Krankenpflege. Doch wurden auch bedeutende Teile des Klostergutes den fürstlichen Domänen einverleibt oder flossen in die Hof- und Landesverwaltung. Nachdem Clemens XIV. 1773 den – 1814 wiederhergestellten – Jesuitenorden aufgehoben hatte, wurden dessen Besitzungen von den Staaten, in denen sie lagen, säkularisiert und eingezogen. Nachdem in der österreichischen Lombardei seit 1768 Klöster aufgehoben worden waren, begann 1782 unter Joseph II. in der österreichischen Monarchie die Klosteraufhebungen. Zwischen 1783 und 1787 wurden in allen Teilen der Monarchie von Belgien bis Siebenbürgen und von Galizien bis Vorderösterreich 700 bis 800 Klöster säkularisiert.

Klostersäkularisationen größten Ausmaßes brachte die Französische Revolution. 1789 erklärte die Nationalversammlung das gesamte Kirchengut – auch die Pfarrgüter, die in Deutschland von der Säkularisation ausgenommen waren – zum Besitz der Nation. Aus dem Verkauf der „Nationalgüter“ sollten die Staatsschulden getilgt werden. In dem mit Napoleon geschlossenen Konkordat von 1801 gab Pius VII. unter dem Druck der Machtverhältnisse den Kirchengut- oder Nationalgüterverkäufen nachträglich seine Billigung. 1802 wurden in dem seit 1801 zu Frankreich gehörenden linksrheinischen Deutschland alle Klöster und Stifte aufgehoben.

1525 führte der Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht von Brandenburg – ein geistlicher Fürst – , die Reformation ein, säkularisierte den Ordensstaat Preußen und machte daraus das weltliche Herzogtum Preußen (Ostpreußen). 1528 säkularisierte Karl V. das Hochstift Utrecht und schlug es seinen niederländischen Territorien zu. Die Hochstifte Havelberg, Lebus, Brandenburg, Meißen, Merseburg und Naumburg-Zeitz wurden zwischen 1564 und 1598 säkularisiert und Brandenburg oder Sachsen zugeschlagen. Der Westfälische Frieden brachte 1648 die Säkularisation der Erzstifte Bremen und Magdeburg und der Hochstifte Halberstadt, Minden, Kammin, Verden, Schwerin und Ratzeburg. Diese Territorialsäkularisationen wurden als Entschädigung für Gebietsverluste begründet. So erhielt Brandenburg die ihm zugesprochenen geistlichen Territorien für den Verzicht auf Vorpommern. Der Westfälische Frieden schuf damit den Präzedenzfall für 1803 – mit dem Unterschied, dass die 1648 säkularisierten Hochstifte längst an evangelische Bistumsadministratoren geraten und für die katholische Kirche verloren waren, während die 1803 säkularisierten Hochstifte geistliche Fürstentümer katholischer Bischöfe waren.

Der Reichsdeputationshauptschluss löste als Reichsgesetz die Säkularisation von 1803 aus. Voraufgegangen waren die beiden Kriege, die Österreich mit seinen Verbündeten 1792 bis 1797 und 1798 bis 1801 gegen Frankreich führte. Preußen schied 1795 mit dem Frieden von Basel aus dem Krieg aus. Dafür gestand die Französische Republik Preußen Entschädigungen für seine linksrheinischen Gebietsverluste durch Säkularisation auf der rechten Rheinseite zu. Gedacht war an das Hochstift Münster. Im Frieden von Campo Formio räumte Frankreich Kaiser Franz II. 1797 die Säkularisation des Erzstifts Salzburg als Entschädigung für den abzutretenden Breisgau ein. Der 1801 im lothringischen Lunéville geschlossene Frieden bestimmte, dass die durch die Abtretung der – seit dem Wiener Kongress von 1815 wieder zu Deutschland gehörenden – linksrheinischen Gebiete geschädigten weltlichen Fürsten auf der rechten Rheinseite entschädigt werden sollten. Damit standen sämtliche geistlichen Fürstentümer zur Verteilung an. Der Reichsdeputationshauptschluss war – von der Aufhebung der Klöster abgesehen – gewissermaßen die Ausführungsbestimmung zu dieser Bestimmung des Friedensvertrags von Lunéville. Hauptnutznießer waren der König von Preußen, der Kurfürst von Bayern, der Herzog von Württemberg, der Markgraf von Baden und der Landgraf von Hessen-Darmstadt.   

Der Reichsdeputationshauptschluss enthielt eine Bestimmung, die über den Entschädigungszweck hinausging. Artikel 35 räumte allen Fürsten ein Dispositionsrecht an den Klöstern und Stiften ihrer sämtlichen – auch ihrer alten – Länder ein. Damit konnten auch Fürsten, die keine Verluste erlitten hatten, alle Klöster und Stifte ihres Herrschaftsgebietes aufheben und deren Güter konfiszieren. Die meisten machten davon sofort Gebrauch, während sich in anderen Fällen das Ende einer tausendjährigen Klosterkultur über mehrere Jahre hinzog. Der Waldbesitz der Klöster bildet heute den Staatsforst von Ländern wie Bayern, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen. Der Kunstbesitz füllt staatliche Museen, der Buchbesitz staatliche Bibliotheken.

Die Klostergebäude wurden unterschiedlichen Nutzungen zugeführt, die Klosterkirchen abgerissen, evangelischen Kirchengemeinden überlassen oder als katholische Pfarrkirchen genutzt. Mancherorts kehrte – wie in Benediktbeuern, Beuron, Ettal, Maria Laach oder Münsterschwarzach – im späteren 19. oder im 20. Jahrhundert monastisches Leben zurück.

Der Reichsdeputationshauptschluss war das letzte große Reichsgesetz des 1806 erloschenen Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation und ist – wenn auch nur noch indirekt – Grundlage noch heute geltenden Rechts. Artikel 35 gestattete den Fürsten die Aufhebung und Enteignung der Klöster nur – neben ihrer Verpflichtung zu Pensionszahlungen an die Mönche und Nonnen – unter dem Vorbehalt der „festen und bleibenden Ausstattung der Domkirchen“. Das ist die Rechtsgrundlage der über das bayerische Konkordat von 1817 und bis zum preußischen Konkordat von 1929 und zum Reichskonkordat von 1933 beibehaltenen Staatsleistungen an die Kirche. Die in Artikel 138 Absatz 1 der Weimarer Reichsverfassung von 1919 vorgesehene landesgesetzliche Ablösung der Staatsleistungen ist nie erfolgt, weil das Reichsgesetz, das die Grundsätze regeln sollte, nie zustande kam.

Diese Rechtslage gilt heute als ein den Staat bindendes Verbot der Ablösung der säkularisationsbedingten Staatsleistungen an die Kirchen. Weil der Staat in Gestalt der Vorgängerstaaten heutiger Bundesländer 1803 das Klostergut säkularisierte, leisten die Bundesländer finanzielle Zuschüsse an die Kirchen – wobei hier auf die Geschichte der Staatsleistungen an die evangelischen Landeskirchen nicht einzugehen ist.

Die Säkularisation von 1803 wurde früher von Bischöfen wie von katholischen Kirchenhistorkern als Kirchenraub verurteilt. Das hat sich schon lange gewandelt. Mit dem Blick auf das Ende der geistlichen Fürstentümer – kaum auf das Ende der Klöster – wird die Säkularisation heute als Gewinn für die Kirche gesehen, die damit aus politisch-weltlichen Verstrickungen herausgelöst und auf ihren religiös-sakralen Kern konzentriert wurde. So gesehen erfuhr die Kirche Entweltlichung schon 1803 – was die Freiburger Rede andeutet. Aber Papst Benedikt spricht nicht als Historiker. Was also meint Entweltlichung der Kirche?

Hinter dem Wort des Heiligen Vaters von der Entweltlichung der Kirche steht Augustins Scheidung von civitas terrena und civitas Dei. Civitas terrena, die – so der junge Joseph Ratzinger – „sich selbst gründet und sich selbst ihr Oben schafft“, sind Staat, Politik und Wirtschaft, während die civitas Dei „von oben gegründet wird“. Die civitas Dei, „soweit sie auf Erden pilgert, ist identisch mit der sichtbaren Kirche der Sakramente“, so nimmt der Doktorand Ratzinger Augustins „... civitatem Dei, hoc est eius ecclesiam“ auf, um diese als die katholische Kirche zu identifizieren. „Die civitas Dei hat in der überhimmlischen Welt ihren wahren und endgültigen Ort. Wo immer sonst noch sich ihre Glieder finden, sie sind an einem uneigentlichen Ort, von dem sie wesensmäßig fortdrängen. Das Ziel des Menschen ist es ja, dass er ein Engel werde“.

Damit vertragen sich weder geistliche Fürstentümer – wohl aber das Chorgebet in kontemplativen Klöstern – noch die Orientierung an weltlichen Maßstäben der Organisation und Institution – wohl aber Werke der Liebe als Gottesdienst. Das ist gemeint mit Entweltlichung der Kirche.

Warum ist die Freiburger Rede Benedikts XVI. von historischem Rang? Weil hier ein Papst Entweltlichung der Kirche fordert und von einer „ihres weltlichen Reichtums entblößten“ Kirche als Ideal spricht, wie das im Mittelalter Prediger des Franziskanerordens – der hl. Bonaventura, Gegenstand der Habilitationsschrift Joseph Ratzingers, war Franziskaner – getan haben.

 

2. Harm Klueting über Johann Huizinga (1872-1945) - Der Aufsatz zum fünfzigsten Todestag am 1. Februar 1995: "Die Glocken von Gent und die Kanonen von Arnheim. Vor fünfzig Jahren starb Johan Huizinga"

 (Aus: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 21 vom 27. Januar 1995, Beilage "Literatur und Kunst", S. 40)

 

 

 

3. Zu unqualifizierten Unterstellungen in der Internetplattform http://www.kreuzgang.org

Was man so alles findet ... . In der Internetplattform http://www.kreuzgang.org fand ich folgenden Sätze zu meiner Person, die ein "Allons" verfasst hat:

"Ziemlich unklar wird es, als er [H. Klueting] seinen Ruf ins rumänische Sibiu/Hermannstadtbeschreibt und mehrfach auf seine dortige 'Professur'hinweist, wohl als Beleg, daß er sich auch in Deutschland 'Professor' nennen darf. [...] Er hat also allen Ernstes in Deutschland durchgesetzt, sich hier ordentlicher (!) Professor nennen zu können, ohne je als solcher in Hermannstadt tätig gewesen zu sein! [...] Der Gedanke, der mir kam, als ich das herausfand, lautete: 'Gib mir einen Titel, und ich bin wichtig!'  Dieser Vorgang läßt zumindest auch ein düsteres Licht auf Klütings Konversion fallen und Fragen zur Motivation seiner Konversion aufkommen. Oder habe ich hier unangemessene Rückschlüsse gezogen und über das Ziel hinausgeschossen?"

"Allons" hat unangemessene Rückschlüsse gezogen und - erheblich - über das Ziel hinausgeschlossen:

1. Die Bezeichnung "Professor" wurde mir am 2. Juni 1989 durch den Minister für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen, beinahe 13 Jahre bevor ich erstmals den Boden Rumäniens betrat. Ich bedurfte nie eines rumänischen Professorentitels, um mich in Deutschland "Professor" nennen zu dürfen. 

2. Ich habe mich weder in Deutschland noch in einem anderen Land je als "ordentlicher Professor" - oder als "o. Professor" - bezeichnet. In Deutschland existiert diese Amtsbezeichnung seit der Novellierung des Hochschulrahmengesetzes (HRG) von 1976 im Jahre 1987 überhaupt nicht mehr. In Rumänien wurde mir mit Urkunde vom 16. Juli 2002 die "Amtsbezeichnung 'außerordentlicher Professor'" verliehen, und zwar mit dem Zusatz "Weil laut Unterrichtsgesetz ein Ausländer zur Zeit nur diese Bezeichnung führen kann". Die Urkunde liegt zweisprachig (deutsch / rumänisch) vor. Die rumänische Amtsbezeichnung eines "a.o. Professor" (rumänisch: "profesor asociat") für mich als ausländischen Inhaber eines Lehrstuhls an einer Hochschule in kirchlicher Trägerschaft in Sibiu (Rumänien) wurde aufgrund meines Antrags vom 26. August 2002 von der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen beim Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder der Bundesrepublik Deutschland (Bonn) bzw. durch das Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen am 12. Juni 2003 amtlich nostrifiziert. Damit wurde mir gestattet, die mir in Rumänien verliehene Amtsbezeichnung in Deutschland mit dem Zusatz "(RO)" für "Rumänien" zu führen, jedoch nur so lange, wie ich Inhaber meines Lehrstuhls in Rumänien sei.

3. Inhaber des Lehrstuhls für Kirchengeschichte in Sibiu war ich bis zu meinem Rücktritt. Der Rücktritt von meinem Lehrstuhl in Rumänien erfolgte durch Erklärung vor einem Notar in Deutschland. Die Notariatsurkunde, von der sich eine Ausfertigung in meinen Akten befindet, wurde dem damaligen Bischof der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien und dem damaligen Dekan der Fakultät in Sibiu als Apostille gemäß der zwischenstaatlichen Regelungen in der internationalen Konvention von Den Haag von 1961 amtlich zugestellt. Der im Internet kursierende Studienjahrs-Bericht des damaligen Dekans, auf den "Allons" sich mit seinen Unterstellungen glaubt beziehen zu können, erwähnt meinen Rücktritt von meinem Lehrstuhl durch Erklärung vor einem Notar in Deutschland nicht und ist insofern irreführend und falsch.

4. Wenn "Allons" so brennend an der Motivation meiner Konversion von der evangelischen zur römisch-katholischen Kirche interessiert ist, dass er diese Gewissensentscheidung "in einem düsteren Licht" sieht, so will ich mich als Seelsorger gern zu einem persönlichen seelsorgerlichen Gespräch mit ihm zur Verfügung stellen und ihm bei dieser Gelegenheit die Motivation meiner Konversion erläutern.

1. Januar 2011                  Professor Dr. Dr. Harm Klueting

 

 

4. Zur Rezension von Eike Wolgast

Prof. Dr. phil. Eike Wolgast, emeritierter Frühneuzeit-Historiker der Universität Heidelberg, hat in der "Zeitschrift für historische Forschung" Bd. 36 (2009), Heft 3, S. 530-532 eine Rezension zu H. Klueting, "Das Konfessionelle Zeitalter" (2007) verfasst und dazu folgenden Brief erhalten:

 

Herrn Prof. Dr. Eike Wolgast

Frauenpfad 15, 69221 Dossenheim

20. September 2009

Sehr geehrter Herr Kollege Wolgast,

was soll man nur zu Ihrer Rezension meines Buches "Das Konfessionelle Zeitalter" von 2007 in der "Zeitschrift für historische Forschung" sagen? - Vielleicht dieses: Ihre Rezension steht gänzlich singulär unter mehr als zwei Dutzend überwiegend ausgezeichneten Rezensionen aus dem In- und Ausland da, die ausnahmslos alle zu einem völlig anderen Urteil kommen als Sie.

Das verlangt eine Erklärung - zumal sich die Auseinandersetzung mit den Einzelheiten erübrigt, so mit der von Ihnen repetierten protestantischen Lebenslüge, die die Kirche vor dem Tridentinum als "altkirchlich" statt als "katholisch" bezeichnet wissen will.

Mir gelangte Ihre Rezension am 18. November gegen 17.00 Uhr in der Kölner Universität zur Kenntnis. Als Geistlicher meiner - der römisch-katholischen - Kirche hatte ich anschließend einen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Pantaleon in Köln. Die Vesper, die der Heiligen Messe um 18.30 Uhr voranging, umfasste nach der Ordnung des Stundenbuches die Lesung von Psalm 27. Sollte die Erklärung für Ihre Rezension am Ende in Ps 27,12 zu finden sein?

Der Ergänzungsband, von dem Sie zutreffend sagen, dass er im August 2008 noch nicht vorlag, ist im Sommer 2009 im Umfang von 677 Seiten erschienen. So ist das nun einmal, dass Bücher manchmal später erscheinen, als der Verfasser es sich gewünscht hätte.

Mit besten Grüßen, Ihr

Prof. Dr. Dr. Harm Klueting

 


Ps 27,12 nach der Einheitsübersetzung, die dem deutschsprachigen Stundenbuch zu Grunde liegt: "Gib mich nicht meinen gierigen Gegnern preis: denn falsche Zeugen stehen gegen mich auf und wüten". - Nach dem Text der Lutherbibel: "Gib mich nicht in den Willen meiner Feinde; denn es stehen falsche Zeugen wider mich und tun mir Unrecht ohne Scheu".

 


 

5. Zur Rezension von Markus Wriedt

 

Prof. Dr. theol. Markus Wriedt hat in der Zeitschrift "Archiv für Reformationsgeschichte", Bd. 39 (2010) eine Rezension zu H. Klueting, "Das Konfessionelle Zeitalter" (2007) verfasst und dazu am 9. Februar 2011 ein eMail erhalten:

 

Sehr geehrter Herr Kollege,

zu Ihrer Rezension meines Buches in ARG 39 (2010): Die von Ihnen aufgezeigten Defizite bestehen tatsächlich. Ich teile Ihre Meinung. Nur sollten Sie das Vorwort (dort Absatz 2) zur Kenntnis nehmen. Dann wäre Ihnen bekannt, dass ich ein Manuskript für ein 900-Druckseiten Buch verfasst habe, das alle diese Defizite nicht aufweist. [...] Ferner sollten Sie zur Kenntnis nehmen, dass 2009 der in diesem Vorwort angekündigte Ergänzungsband erschienen ist, der immerhin 677 Seiten umfasst, die Fülle der Literatur präsentiert und wenigstens hier und da die Forschungsdiskussion aufnimmt. Mehr war angesichts der Umstände leider nicht möglich. Von der ursprünglichen, auf 900 Druckseiten angelegten Fassung, die sich in meiner Schublade und in verschiedenen Computerdateien befindet, heisst es im Vorwort dieses Ergänzungsbandes (Absatz 1): "Es ist unwahrscheinlich, ob das Gesamtmanuskript jemals veröffentlicht werden kann". Ohne Erwähnung dieser Umstände ist eine Rezension wie die Ihre, so zutreffend die von Ihnen aufgezeigten Defizite auch sind, nicht frei von Unfairness.

Mit freundlichen Grüssen, Ihr H. Klueting